1. Die Rolle der Erziehung im Leben von Albert Einstein
Am
8.August 1876 wurden Hermann Einstein und Pauline Einstein, geborene Koch, in
der Synagoge einer deutschen Kleinstadt getraut. Am 14. März1879, einem
Freitag, wurde ihr 1. Kind, Albert Einstein geboren.
1.1.Beziehung
zur jüdischen Religion
Albert
und seine jüngere Schwester Maja wuchsen in einem liberalen, auf Harmonie
bedachten Elternhaus auf. In der Familie herrscht ein freisinniger, dogmenfreier
Geist, den Einsteins Eltern schon beide von zuhause aus kannten. Es gab keine
religiösen Vorschriften und Einsteins Vater war sogar stolz darauf, dass sie
keine jüdischen Riten pflegten.
Albert
verbrachte seine Kindheit in München, wo sein Vater und sein Onkel eine kleine
elektrotechnische Fabrik J. Einstein & Co. Betrieben. Die Firma hatte jedoch
keinen wirtschaftlichen Erfolg und wurde 1894 nach Italien verlegt.
Im
Gymnasium fühlte er sich durch Disziplin und Strafe eingeengt: „Die Neugier
des Forschens werde dort erdrosselt“, schrieb er später. Er hatte ständig
Probleme, da er mehrmals gegen die Schuldisziplin verstieß. Trotz seiner
Abneigung gegen das Militärische in der Schulerziehung erzielte er gute bis
sehr gute Leistungen, vor allem in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern.
Das
damalige Polytechnikum in Zürich bot die Möglichkeit auch ohne Abitur
studieren zu können. Da dieses jedoch eher für ältere, erfahrenere Kandidaten
gedacht war und Albert mit 16 Jahren die ausreichende Allgemeinbildung zum
Bestehen einer Aufnahmeprüfung zu fehlen schien, wurde er nicht zugelassen. Um
seinen Abschluss nachzuholen verwies ihn daher der Direktor des Polytechnikums,
Professor Herzog, an die Kantonschule in Aarau, wo Albert 1896 sein Abitur
ablegte. Die Zeit dort hat Albert entscheidend in seiner Entwicklung geprägt
und er beschrieb sie als die schönste seines Lebens:
1.3.
Kenntnis
physikalischer Werke ( in Einsteins Kindheit)
Max
Talmud, ein reicher Medizinstudent, war jeden Donnerstagabend bei der Familie
Einstein zum Abendessen eingeladen. Albert Einstein war zu dieser Zeit zwischen
zehn und fünfzehn Jahre alt. Talmud machte ihn mit populären
naturwissenschaftlichen Büchern und mit den Schriften Kants vertraut. Mit
Talmud konnte Albert stundenlang über Wissenschaft und Philosophie diskutieren.
In Talmuds Erinnerung lesen wir: „In all diesen Jahren habe ich keine leichte
Lektüre bei ihm gesehen. Auch habe ich ihn nie in Gesellschaft gleichaltriger
jungen erlebt.“
„Sehr
geehrtes Fräulein!
Ich
habe etwa sechzehn Seiten ihres Manuskripts gelesen und – dabei geschmunzelt.
Es ist alles klug, gut beobachtet, ehrlich, in gewissem Sinn selbständig und
doch so eigentümlich weiblich, d.h. abhängig und getränkt mit Ressentiments.
Ich wurde auch ähnlich behandelt von meinen Lehrern, die mich wegen meiner
Unabhängigkeit nicht liebten, mich umgingen, wenn sie Assistenten brauchten
(ich war allerdings als Student etwas lüderlicher als sie, dass muss ich
sagen). Aber es wäre mir nicht der Mühe wert gewesen, etwas über meine Schüler-Erlebnisse
zu schreiben, und noch viel weniger hätte ich es verantworten wollen, andere
zum Drucken oder gar zum Lesen zu verlassen. Zudem macht man sich über andere
beklagt, die da neben einem in der ihnen konformen Weise nach Luft schnappen.
Stecken sie also ihr Temperament i die Tasche und bewahren sie ihr Manuskript
auf für ihre Söhne und Töchter, damit sie daraus Trost schöpfen und –
darauf pfeifen, was ihre Lehrer ihnen sagen oder von ihnen denken. Übrigens
komme ich nur für Forschungsarbeit nach Princeton und nicht als Erzieher. Es
wird überhaupt zu viel erzogen, besonders an amerikanischen Schulden. Es gibt
keine andere vernünftige Erziehung, als Vorbild sein, wenn`s nicht anders geht,
ein abschreckendes.“ (Albert
Einstein, Mein Weltbild)
„Es
ist nicht genug, den Menschen ein Spezialfach zu lehren. Dadurch wird er zwar zu
einer Art benutzbarer Maschine, aber nicht zu einer vollwertigen Persönlichkeit.
Es kommt darauf an, dass er ein lebendiges Gefühl dafür bekommt, was zu
erstreben wert ist. Er muss einen lebendigen sinn dafür bekommen, was schön
und was moralisch gut ist. Sonst gleicht er mit seiner spezialisierten
Fachkenntnis mehr einem wohlabgerichteten Hund als einem harmonisch entwickelten
Geschöpf. Er muss die Motive der Menschen, deren Illusionen, deren Leiden
verstehen lernen, um eine richtige Einstellung zu den einzelnen Mitmenschen und
zur Gemeinschaft zu erwerben.“ (Albert
Einstein, Mein Weltbild)
2.
Einsteins Weltbild
Einstein
bezeichnete die Situation des Menschen auf der Erde im Allgemeinen als merkwürdig.
Jeder Einzelne habe gewisse Ideale für das eigene Streben und Urteilen. Diese
Ideale seien besonders die banalen Ziele des Menschen: Besitz, Erfolg, Luxus. Zu
seinen eigenen Idealen zählte er Güte, Schönheit und Wahrheit.
Seine Kritik an der luxusorientierten Gesellschaft äußerte sich
beispielsweise darin, dass er ein für Körper und Geist gutes, anspruchsloses
und schlichtes Leben anpries. Dieses Leben beruhte bei ihm besonders auf dem
Austausch mit Gleichgesinnten sowie der Beschäftigung mit Objektiven und der
Wissenschaft.
Sein
politisches Weltbild war äußerst demokratisch geprägt. Soziale
Klassenunterschiede sah er als nicht gerechtfertigt an, da jeder als Person
respektiert und niemand vergöttert werden solle (sein Verhalten gegenüber
Frauen sollte dieser Aussage jedoch widersprechen). Desweiteren beruhe dieser
Unterschied zwischen einzelnen Klassen auf dem Gebrauch von Gewalt, was seinem
durchgehend pazifistischen Weltbild widersprach. Einstein war jemand, der den
Krieg kategorisch ablehnte. Deshalb war er auch ein Gegner des Militärs und
einer durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten drohenden
militaristischen Gesellschaft. Da das autokratische System des Zwanges der Nazis
seinem demokratischen Weltbild widersprach ging er 1933 in USA. Die Vereinigten
Staaten hatten ihm zufolge einen "auf genügend lange Zeit gewählten Präsidenten,
der genug Macht hat, um tatsächlich Träger der Verantwortung zu sein."
Vom
Sinn des Lebens
Der
wahre Wert eines Menschen
ist
in erster Linie dadurch bestimmt, in welchem Grad und in welchem Sinn er zur
Befreiung vom Ich erlangt.
Erkenntnisse
Körper
und Seele sind nicht zwei verschiedene Dinge, sondern nur zwei Arten, dasselbe
Ding wahrzunehmen. Entsprechend sind Physik und Psychologie nur zwei
verschiedenartige Versuche, unsere Erlebnisse auf dem Weg systematischen Denkens
miteinander zu verknüpfen.
Vom
Reichtum
Das
Geld zieht nur den Eigennutz an und verführt stets unwiderstehlich zum
Missbrauch. Kann sich jemand Moses, Jesus oder Gandhi mit Carnegies Geldsack
vorstellen?
Gut
und Böse
Es
ist
im Prinzip richtig, dass denen die meiste Liebe entgegengebracht werden soll,
die zur Veredelung der Menschen und des menschlichen Lebens am meisten
beigetragen haben. Wenn man aber weiter fragt, was für Menschen das seien, gerät
man in nicht geringe Schwierigkeiten. Bei den politischen, ja sogar bei den
religiösen Führern ist es meist recht zweifelhaft, ob sie mehr Gutes oder
Schlechtes bewirkt haben.
Über
die Liebe
Sich
zu verlieben ist gar nicht das Dümmste, was der Mensch tut - die Gravitation
kann aber nicht dafür verantwortlich gemacht werden.
Geburt
Man
ist in eine Büffelherde geboren und muss froh sein, wenn man nicht vorzeitig
zertrampelt wird.
3.
Einstein und die Philosophie
„Wenn man unter Philosophie das Streben nach möglichst
allgemeinen, umfassenden Erkenntnissen versteht, so ist klar, dass die
Philosophie die Mutter aller Forschung ist. Es ist aber ebenso zutreffend, dass
die einzelnen Forschungszweige eine starke Rückwirkung auf die betreffenden
Forscher und darüber hinaus auf das philosophische Denken der Gebildeten jedes
Zeitalters ausgeübt haben“ (1950)
Bei
einer Beschäftigung mit Albert Einstein betrachtet man normalerweise den
Physiker, also den Naturwissenschaftler Einstein. Aber auch philosophische
Fragen beschäftigten Einstein, der auch stets den Kontakt zu anderen
Wissenschaften suchte. Beide Wissenschaften, sowohl die der Vorgänge in der
Natur, als auch die Philosophie erläutern das menschliche Streben nach Wahrheit
und Erkenntnis. Während diese
Suche bei den Naturwissenschaften auf Rationalität basiert, geht es in der
Philosophie mehr um ethische Ansichten.
Welche
Einstellung besaß Einstein zur Philosophie und kann man Einstein auch als
Philosophen bezeichnen?
Gewiss
ist, dass Einstein Physiker war. Hierbei ist zu beachten, dass bis ins 19.
Jahrhundert der Begriff Naturphilosophie gleichbedeutend war mit dem modernen
Ausdruck Naturwissenschaft. Demzufolge sollte man ihn auch eher als
Naturphilosophen bezeichnen.
Als
Beleg dafür kann beispielsweise der Briefaustausch mit dem österreichischen
Verhaltensforscher Sigmund Freud im Sommer 1932 betrachtet werden.
Freud
wurde am 6. Mai 1856 in Freiberg, Mähren (Tschechien) geboren. 1873 begann er
sein Medizinstudium an der Universität zu Wien und promovierte 1881 zum Doktor
der Medizin. Von 1893 bis 1894 arbeitete er zusammen mit Josef Breuer an den
"Studien über Hysterie". 1899 wurde sein Werk "Traumdeutung, das
auf der Deutung eines eigenen Traumes ("Traum von Irmas Injektion")
basiert, veröffentlicht. Als sein bekanntestes Werk gilt jedoch bis heute noch
„Das Ich und das Es“, das sich mit dem Einfluss des Unterbewusstseins auf
das menschliche Handeln befasst. 1908 findet in Salzburg der erste Kongress für
"Freudsche Psychologie" statt. Nachdem er 1920 das "International
Journal of Psycho Analysis" gründete, starb er am 23. September
1939 in London. Dabei
ist sein letzter Tagebucheintrag "Kriegspanik" vom 25. August insofern
interessant, da es bei dem Briefaustausch zwischen ihm und Einstein auch um das
Thema Krieg ging. Hinsichtlich der Gründung des Völkerbundes verlangte es
Einstein nach der Erörterung einer bestimmten Frage: "Gibt es einen Weg,
die Menschheit von dem Verhängnis des Krieges zu befreien?"